Betrug (doppelte Erwähnung, siehe
„Betrugsdelikte“, sehr merkwürdig)
·
Nachahmung und Produktpiraterie
·
Fälschung von Zahlungsmitteln (Achtung
Regionalwährungsherausgeber, aufgepaßt...)
·
Sabotage
...die anderen Delikte sind eher verständlich.
Aber:
„Der Rat der Europäischen Union hat nach
Artikel 2 Abs. 3 RbEuHb die Möglichkeit, diese Liste im Zuge
fortschreitender Harmonisierungsarbeiten jederzeit zu erweitern oder
zu ändern.“ Bundestagsdrucksache 15/1718 S. 18
Jeder von uns ist ein Verbrecher - wie
geht das?
Es geht einfacher, als Sie je gedacht hätten -
mit dem geplanten Europäischen Haftbefehl:
Sie haben im Kreis Ihrer Freundinnen einen
Schottenwitz erzählt (oder auch bloß darüber gelacht)? Wenn
die heimlichen Machthaber EU-ropas es so wollen, wird
Großbritannien Ihre Auslieferung beantragen - wegen «ethnischer
Diskriminierung», die in England ein strafwürdiges Verbrechen
ist. Sie haben dieses oder jenes Buch gekauft oder auch bloß
geschenkt bekommen? In Deutschland dürfen Sie von jedem beliebigen
Druckwerk bis zu drei Exemplare (eins für Sie persönlich, bis zu
zwei zur Weitergabe an Ihre unmittelbaren Angehörigen) besitzen. In
Frankreich dagegen steht schon der bloße Besitz eines
einzigen Exemplars bestimmter Bücher unter Strafe. Und man weiß nie
so genau, welche das im einzelnen sind, denn es kommen immer wieder
neue hinzu. Auch Übersetzungen z.B. deutscher Originale . . . Auch
solche, die jahrelang nicht verboten waren . . .
Wenn die heimlichen Machthaber EU-ropas es so wollen,
wird die deutsche Polizei bei Ihnen überfallsartig eine gründliche
Hausdurchsuchung vornehmen. Findet sie auch nur ein einziges
Buch, dessen Besitz in Frankreich (oder vielleicht auch
irgendwo sonst in EU-ropa) verboten ist, sind Sie «reif»: für
die Zwangsverschickung per Europäischen Haftbefehl samt
anschließender Verurteilung. Mit nachfolgender Einkerkerung auf der
völlig abgelegenen Karibikinsel Martinique, denn die gehört
offiziell zu Frankreich! (EU-assoziierte Länder gibt es auch in
Afrika!)
Sie haben an einer regierungskritischen
«Montagsdemonstration» teilgenommen? Oder sind gar nur
zufällig vorbeigekommen, haben jedoch ein Weilchen
zugeschaut? Und sind dabei unbemerkt von Polizeispitzeln
photographiert worden? Sobald die heimlichen Machthaber
EU-ropas es so wollen, befördert Sie ein Europäischer
Haftbefehl - demnächst - gefesselt in die Türkei. Denn dort gilt
öffentliche Kritik an der Regierung als «terroristischer
Umsturzversuch».
Sie haben buchstäblich überhaupt nichts
«getan»? Wenn die heimlichen Machthaber EU-ropas es so
wollen, werden Sie trotzdem als «mutmaßlicher Verbrecher»
nach Estland deportiert - unter irgendeiner frei erfundenen
Beschuldigung. Während Ihrer «Abwesenheit» haben dann die
Geheimdienste oder andere diskrete Handlanger der besagten
Machthaber umso mehr Gelegenheit, all Ihr bisheriges Tun und Lassen
peinlich genau auszuforschen. Irgendwann werden sie dann „etwas“
finden. Etwas, was Sie hierzulande ganz unbeschwert tun
durften, aber nicht in Estland. Oder wenigstens nicht
in der Tschechei. Oder sie werden den estnischen Richter mit
Versprechungen oder Drohungen dazu bringen, Sie dennoch zu
verurteilen. Justiz«irrtümer» hat es schließlich schon immer
gegeben. Die sind umso unverdächtiger, je weiter entfernt vom Ort
der angeblichen Tat der Richter sitzt, der darüber befinden soll.
Die sind also in Estland beinahe unvermeidlich . . .
Dr. Carlo Alberto Agnoli in seiner Broschüre „Der europäische
Haftbefehl – kürzester Weg in die Tyrannei“, S. 60: „Es geht
nicht darum, das sei nochmals bekräftigt, das Problem aus
parteilicher Sicht zu bewerten: eine so ungeheuerlich
unkontrollierbare und instrumentalisierbare Macht darf in die Hände
keines Lagers, keiner Farbe, keiner Religion, überhaupt keines
Menschen gelegt werden. Weder heute noch morgen.
Die gegenwärtige Stunde ist so
bedeutungsschwer, daß es völlig unangemessen und darum letztendlich
lächerlich wäre, akademische Töne anzuschlagen: ich übertreibe
nicht, wenn ich behaupte, daß, wenn eine Zentralmacht vor einigen
Jahren auch nur vorgeschlagen hätte, die italienischen Bürger
sollten ganz normalerweise deportiert und in irgendeinem
europäischen Land von irgendeinem auswärtigen Richter, der
vielleicht am anderen Ende Europas wohnt (etwa in Lettland),
inhaftiert und verurteilt werden können, weil sie in Italien eine
Straftat begangen hätten, für die eine Haftstrafe von vier Monaten
vorgesehen wäre, dieses Ansinnen im günstigsten Fall als die
Ausgeburt des Gehirns eines gefährlich Verrückten und im schlimmsten
Fall als diejenige eines tollwütigen Möchtegern-Despoten betrachtet
worden wäre.
Der Haftbefehl erlaubt es, Regierungen
umzustürzen und Wirtschaftsmächte zu vernichten, ganze
Oppositionsbewegungen zu unterdrücken, jedermann zum Verbrecher zu
machen. Es ist klar, daß der-
jenige, der ihn will, sich einbildet. Europa beherrschen zu können.“
Sie können sogar in Abwesenheit von dem
ersuchenden Staat verurteilt worden sein – niemand ist befugt,
dieses Auslieferungsbegehren und den Schuldspruch von Deutschland
aus rechtlich zu überprüfen. Außerdem ermöglicht der Rahmenbescheid
2003/577/GAI den Einzug Ihres Vermögens – falls vorhanden - welches
Ihnen sonst bei einer Verteidigung fern der Heimat, mit Dolmetscher
oder angereistem deutschen Anwalt, hätte nützlich sein können.
Also, überlegen Sie gut: haben Sie Feinde?
Neider? Konkurrenten? Betätigen Sie sich politisch? Das
Blockieren von Castor-Transporten könnte von Griechenland als
terroristischer Akt (Liste der 32 Straftaten) verstanden werden, das
Schreiben eines Leserbriefes zum Thema Muslime von Malta als
Fremdenfeindlichkeit geahndet werden (Gefängnis nicht unter 2
Jahren!). Meinungsfreiheit wird gefährlich, da Bulgarien ein
Antidiskriminierungsgesetz hat, mit dem Sie schnell in Konflikt
geraten können (5 Jahre Haft).
Und wenn Sie das alles in diesem unseren
schönen Land nicht für möglich halten sollten, so empfehlen wir
Ihnen die Lektüre der Bundestagsdrucksache Nr. 15/1718 oder des
Bundestagsprotokolls 15/097, im Internet abrufbar unter
www.bundestag.de. Genauer:
http://dip.bundestag.de/parfors/parfors.htm
Aus dem Protokoll der Bundestagssitzung vom
11.3.2004: Siegfried Kauder (Bad Dürrheim) (CDU/CSU):
„Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Nicht alles, was aus Brüssel kommt, ist Gutes. Das, was zum
Europäischen Haftbefehl aus Brüssel kommt, ist nichts Gutes. Darin
sind sich alle Fraktionen dieses Hohen Hauses einig.“
Was aber die Fraktionen des Hohen Hauses nicht
hinderte, diesen Europäischen Haftbefehl EINSTIMMIG anzunehmen! Eine
merkwürdige Art von Demokratie!
Alle, die ihre Freiheit lieben,
die nicht ständig in der Furcht leben wollen, aufgrund bösartiger
Anschuldigungen in einem abgelegenen Winkel Europas vom Rechtsstaat,
von Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit nur noch träumen zu können,
sind aufgerufen,